Weltraumbahnhof. Allein das Wort ist schon schräg. Als ob man da einfach hinfährt und dann das nächste Shuttle ins All nimmt. Aber im Grunde genommen passt der Name mittlerweile, wo nun die erste, rein touristische „Mission“ zur ISS von dort gestartet wurde. Von SpaceX. Jeff Bezoz schickt seine zahlende Kundschaft mit seiner New Shepard dagegen von Van Horn, TX auf einen suborbitalen Flug ins All.

Pflichtbesuch in Florida

Als ich beschloss, nach Florida zu fliegen, war für mich ganz klar, dass ein Besuch im Kennedy Space Center auf jeden Fall dazugehört. Natürlich war es schon cool, im California Science Center die Endeavour zu sehen, oder die Mercury-, Gemini- und Apollo-Kapseln im National Air and Space Museum in Washington DC; aber der alles überragende Ort ist dieses Fleckchen Erde in den Sümpfen von Ostflorida, von wo die USA ins All und schließlich auch zum Mond aufbrachen.

Der Weg von Orlando zum KSC war ziemlich simpel – auf den East Colonial Drive und immer geradeaus, bis ab Titusville die Beschilderungen anfangen. Dort dann auf den Parkplatz, ein paar Meter laufen und schon ist man im Nerd-Paradies, dem Kennedy Space Center Visitor Complex.

Kennedy Space Center Visitor Complex

NASA Globe

Da das KSC ein aktiver Weltraumbahnhof ist, können Touristen natürlich nicht einfach überall herumstreunen. Außerdem wäre die Gefahr viel zu groß, dass jemand von den Alligatoren gefressen wird. Daher gibt es den Kennedy Space Center Visitor Complex, der all das beinhaltet, was die Besucher gerne sehen wollen.

Apollo-Saturn-Center

Eins der Highlight befindet sich nicht direkt im Visitor Complex, sondern mitten auf dem Gelände des KSC, so das man den Weg dorthin per Bus zurücklegen muss. Daher empfiehlt es sich, direkt zur Busstation durchzumarschieren. Die restlichen Highlights sind später auch noch da. Die Busse fahren in den gesicherten Bereich des KSC ein und passieren u.a. das Vehicle Assembly Building (VAB), jene Montagehalle, in der die Raketen und ihre Nutzlasten auf der mobilen Startrampe zusammengebaut werden.

Das Apollo-Saturn-Center ist voll und ganz dem Apollo-Programm und damit der Monderkundung gewidmet und befindet sich am ehemaligen Startcenter; also dem Kontrollcenter für den eigentlichen Raketenstart (die gesamte Mission wurde aus Houston geleitet). Hier gibt es neben der Kapsel von Apollo 14 und einer Mondfähre auch eine komplette Saturn V – auf Stützen über den Besuchern liegend und in ihre Sektionen geteilt, so dass man alle Einzelheiten gut sehen kann. Ein Wahnsinnsding.

Vom Garten der Anlage können die Starts des Lauch Complex 39 beobachtet werden, der gut 5 km weiter östlich liegt. Hier ergab sich auch die Möglichkeit, einen Blick auf die Artemis I zu werfen, die aufgrund einer Übung (Wet Dress Rehearsal) auf der Startrampe 39b stand. Bei dieser Übung werden alle Tätigkeiten bis auf den eigentlichen Start durchgeführt, d.h. Betankung etc. u.a. um die Pad-Crew zu trainieren.

Space Shuttle Atlantis

Ein weiteres Highlight im Kennedy Space Center ist das Space Shuttle Atlantis, das in einem eigenen Pavillon ausgestellt ist. Vor dem Eingang stehen die Feststoffbooster und der Außentank in aufrechter Startkonfiguration – ein beeindruckender Anblick.

Das Museumskonzept sieht vor, dass man sich erst zwei Filme zum Shuttle ansieht, bevor man in den eigentlichen Ausstellungsraum kommt, das führt zu nervigen Warteschlangen. Die Filme waren ganz ok, aber viel Neues war für mich nicht dabei. Außer der sogenannte Twang – da die Haupttriebwerke des Shuttles gut 6 Sekunden vor den Feststoffboostern zünden, verlagert sich der Schwerpunkt und das Shuttle kippt kurz Richtung Turm. Sobald es zurückgeschwungen ist, zünden die Booster und das ganze System hebt ab. Den Twang kann man in diesem Video sehr gut erkennen:

„Twang“ der Shuttle-Tank-Kombination beim Start.

Das Shuttle selbst ist mit offener Ladebucht und ausgefahrenem Canadarm schräg im Pavillon hängend arrangiert, so dass es einen Eindruck vom Orbitalflug gibt. In diversen Vitrinen gab es Ausstellungsstücke zu Ausrüstung und persönlichen Gegenständen, die mit im All waren. Dazu aber auch ein begehbares Mockup vom Flightdeck – meine Güte, so viele Knöpfe und Schalter…

Durchgeschüttelt wird man in der „Shuttle Launch Experience“, einem Simulator, der die Kräfte und Sounds eines Shuttlestarts darstellt. Nachdem man angeschnallt ist, wird der Simulator um fast 90 Grad aufgerichtet und dann werden u.a. durch Kissen in den Sitzen die entstehenden Kräfte simuliert. Dazu noch der Sound und die Bilder auf dem großen Bildschirm. BRRRRRRRRRMMMM – und in knapp acht Minuten ist man im Orbit.

Rocket Garden

Im Außenbereich sind viele Raketen aufgestellt, damit man einen Eindruck von der Höhe bekommen kann. Ebenso enthalten sie entsprechende Kapseln, so dass man die ursprüngliche Startkonfiguration sehen kann, so z.B. von einer Mercury-Atlas oder einer Gemini-Titan. Außerdem liegt hier noch eine Saturn Ib.

Rocket Garden
Rocket Garden (u.a. mit Mercury Redstone, Mercury Atlas, Gemini Titan, Saturn IVb)

Gefallene Helden

Natürlich darf ein Bereich für die Besatzungen der verunglückten Shuttles Challenger und Columbia nicht fehlen. Neben Vitrinen für jedes Crewmitglied mit persönlichen Gegenständen sind auch zwei Trümmerteile der beiden Orbiter ausgestellt. Wohl der bedrückendste Bereich im Kennedy Space Center.

Fazit

Das Kennedy Space Center ist ein Muss für jeden Raumfahrt-Enthusiasten. Aber auch für alle anderen ist es sicher interessant, da hier mehr als einmal Geschichte geschrieben worden ist.

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