Deathpunk Tourism im Sunshine State

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Herbst 2021 – leicht angebrütet hänge ich mit einigen anderen in einem Turbojugend Zoom-Call. Und wie das dann so passiert, beschließt man den Kollegen Dave in Florida zu besuchen. Wir kannten uns zwar nur von Zoom, aber das soll ja kein Hindernis sein. Neben mir wollten dann noch Talitha, Aijlke und Thijs aus den Niederlanden mitkommen.

Vorabendanreise nach FRA

Da alles noch unter Corona-Regeln lief, stand natürlich vor dem Abflug noch ein Test; negativ, also direkt zur elektronischen Dokumentenprüfung und dann fix den Checkin durchführen. Schlecht: bei LH 24 Stunden vorher möglich, bei EW erst 23…. Also bin ich erstmal entspannt mit dem Bus zum Bahnhof gefahren, habe dort dann auch online einchecken können und bin dann im Speisewagen bis nach FRA gefahren. Direkt oberhalb des Flughafen Fernbahnhofs hatte ist der Komplex „The Squaire“ – dort hatte ich mir ein Hotel gebucht, hab aber erstmal mangels Schildern The Squaire West angesteuert… die Hotels sind aber East. Digital Key war schon vorhanden, Plastikkarte habe ich aber trotzdem noch bekommen… Gebraucht habe ich die aber nicht wirklich. Der Digital Key in der App hat alles erledigt: Aufzug entsperren, Türen öffnen automatisch, Zimmer öffnen.

Das Zimmer im Hilton Garden Inn hatte Blick auf den Flughafen – yeah, Flugzeuge gucken.

Trotzdem bin ich noch kurz los; ein wenig Verpflegung einkaufen bei Rewe und der Apotheke; mein neuer Pago Pace Ring funktioniert. Bin begeistert. Abends gab es dann noch einen Turbojugend Stammtisch via Zoom. Und viel Neid, dass ich am nächsten Tag in die Sonne starten konnte…

Flug mit Eurowings Discover

Gegen 9:30 bin ich rüber zum Airport. Gepäck einchecken mit abermaliger Dokumentenprüfung, aber ohne Problem, Security ebenfalls fix. Vor den Lounges zwei riesige Schlangen. Einmal für zusätzliche Dokumentenkontrolle und für den gemeinsamen Eingang für Business und Senator.

In der Lounge habe ich dann in Ruhe ausgiebig gefrühstückt noch noch ein paar Emails sortiert.

Aufgrund der Schlange draußen habe ich gefragt, ob ich früher zum Gate soll… nee, da gäbe es keine Probleme. Gut, dass ich‘s trotzdem gemacht habe. Am Gate war ziemliches Chaos, die anfänglich saubere Reihe zerfaserte immer mehr und was das sollte, war mir nun auch nicht klar. Vor mir wurde alles nochmal geprüft, bei mir wurde nur ein Blick auf die Bordkarte geworfen…

Und dann ging’s in den Bus. Na klar, auch Langstrecke kann man mit dem Bus boarden, dauert dann alles halt länger. Gut 30 Minuten Verspätung hatten wir beim Abflug. Zum Glück war die Außenposition fast am Anfang der Startbahn, so war der Rollweg entsprechend kurz.

Premium Economy

Der Platz in der Premium Eco ist ok, sofern die Vorderleute nicht den Sitz ganz nach hinten kippen. Aus dem Fensterplatz wäre ich dann nicht raus gekommen. Aber ich hatte extra vorher Gang gewählt, um auch mal aufstehen zu können.

Der Service war top, eine Flugbegleiterin war durchgehend für meinen Bereich zuständig. Sehr nett und lustig drauf. Und schwer begeistert, als ich mit dem Pago-Ring bezahlt habe 😎

Leider gab es kein Wifi an Bord, aber ich hatte mir zwei Filme auf‘s iPad geladen. Zudem hab ich noch genug Hörbücher. Und knapp zwei, drei Stunden konnte ich auch schlafen. Trotzdem nen langer Ritt…

Angekommen in Florida

Ich bin da. Yeah.

Vor die Einreise haben die USA ja immer ihre Immigration-Kontrollen gesetzt. In der Warteschlange habe ich mich mit einem rüstigen Senior unterhalten, der sein Ferienhaus besuchen wollte und über die bürokratischen Hürden schimpfte, wie nervig es sei, in den USA als Deutscher ein Auto zu unterhalten. Das sind Probleme.

Dave hatte auf einem gebührenfreien Kurzzeitparkplatz gewartet – kurz Bescheid gegeben und dann kam er zur Vorfahrt und sammelte mich ein. Nach vielen Zoom-Calls treffen wir uns endlich mal persönlich. Das war echt schön. Als perfekter Gastgeber hatte er mir direkt ein eiskaltes Bier mitgebracht… ist ein langer Weg von Tampa nach Orlando. Ok, eigentlich nicht, aber schon, wenn man Durst hat. Als wir uns Orlando näherten begannen an der Autobahn die ganzen Abfahrten für die Freizeitparks. Allein Disney hat sechs (6!) Abfahrten hintereinander.

In Dave’s Apartment angekommen gab es dann erstmal zwei Biere deutscher Brauart bevor wir einen Spaziergang zu zwei netten Kneipen (Matador und Lucky Lure) machten, damit ich mich in der Kneipenszene von Florida akklimatisieren konnte. Und wenn man nicht weiß, was man trinken soll… PBR (Pabst Blue Ribbon) haben eigentlich alle. Das ist so das Hansa-Pils der Amis.

Wir werden mehr

Am nächsten Tag sollten die Kollegen aus den Niederlanden ankommen, bis dahin klönten wir über Gott und die Welt und sind dann irgendwann rüber zur Ivanhoe Brewery – dort fand ein sogenanntes „Halftoberfest“ an – also Amerikaner in Lederhosen und Dirndl, die sich an Halbliter-Humpen versuchen. Dazu dann Bierkrugstemmen und die ganzen bekloppten Spiele. Und natürlich deutschen Schlager… ich musste doch sehr lachen. Aber das Bier dort war echt gut.

Später haben wir dann Talitha und Aijlke am Airport eingesammelt und sind in Dave’s Apartment. Dort haben die beiden dann erstmal eine Konfetti-Kanone gefeuert… keine Ahnung, wie sie die im Flieger transportieren konnten. Dave findet immer noch Reste davon…

Thijs hatte leider kein Visum für Kanada und konnte daher nicht via Toronto anreisen und musste den Trip kurzfristig absagen. Bürokraten :-/

Abends sind wir dann ins Hideaway, eine Bar mit dem lt. Dave besten Bar-Food in der Gegend. Dort gab’s dann auch erstmal stilecht Burger, Wings etc.

Sunday is Funday

Begonnen haben wir den Tag mit ner soliden Bloody Mary, die Dave mit einem Jalapeno-Wodka gemacht hat. Da war echt Musik drin.

Danach waren wir alle einigermaßen in der Lage, den Sonntag zu begehen, denn „Sunday is Funday“ in Florida – d.h. es ist wohl üblich, sich sonntags ab Mittags mit Mimosas einen zu gönnen. Daher offerieren die einschlägigen Kneipen auch Mimosa-Flatrates bis 15 Uhr. Durchaus ein gutes Programm für einen Sonntag.

Nach mehreren Flaschen Sekt mit diversen Säften nach Wahl sind wir dann weitergezogen ins – wen wundert’s? – Hideaway. Denn dort trifft sich auch mal die örtliche Turbojugend. Und es waren nicht nur die Kollegen aus Orlando, sondern auch noch Gäste aus Vancouver und Atlanta. Ein schöner Abend mit viel Gelächter und dem obligatorischen Gruppenbild.

Ab ans Meer

Montagmorgen machten Aijlke und ich uns auf der Suche nach der Busstation um nach Daytona Beach zu fahren; Talitha wollte mit einem Bekannten nachkommen. Um zur Busstation zu kommen, mussten wir erstmal mit einem uber durch halb Orlando zu einer Mall fahren – und dort dann den exakten Abfahrtsort auf dem Riesenparkplatz finden. Ausgeschildert ist da nicht wirklich was und Google Maps hatte auch drei verschiedene Punkte zur Auswahl, die wir dann abgelaufen sind – zum Glück war der zweite Punkt dann korrekt. Nun mussten wir nur noch unsere Tickets kaufen – nur online möglich, wie der Kontrolleur meinte. Die angegebene Seite war dann allerdings nicht nur ein UX-Albtraum, eine Reservierung war auch wohl scheinbar nur mit einer US-Telefonnummer möglich. Aber der Europäer an sich ist ja erfinderisch… – im Bus war noch genügend Platz und der Kontrolleur hatte in seiner Mappe noch eine Seite frei, um Bargeld entgegenzunehmen: „Welcome on board“.

Die Fahrt rüber nach Daytona Beach war dann recht ereignislos – auch weil wir die Zeit genutzt haben, um Schlaf nachzuholen. Aber auch dort war die Busstation auf dem Gelände einer Mall direkt an der Autobahn; also mussten wir uns auch hier erstmal ein uber bestellen, um die letzten 20 Minuten zum Hotel zu fahren. Mit den Öffis kommt man in Florida echt nicht weit.

Unser Fahrer Juan entpuppte sich als Glücksfall. Nicht nur, dass er die ganze Zeit mit uns über unterschiedliche Arten von Musik plauderte und immer wieder seine Lieblings-Lieder von diversen Industrial-Band angeworfen hat – er hat uns auch direkt angeboten, uns am nächsten Tag für $ 100 direkt nach Orlando zurück zu bringen. Da wir mit uber/Bus/uber auf dem Hinweg schon bei $120 für zwei Personen waren, war das ein perfektes Angebot.

Im Hilton Daytona Beach Oceanfront Resort angekommen, haben wir zuerst unser Zimmer bezogen – schön im 14 Stock mit Blick auf den Ozean. Inzwischen war auch Talitha mit ihrem Bekannten angekommen, so dass wir direkt zum Strand durchstarten konnten. Ab in den doch recht frischen Ozean – doch ist man erstmal drin, ging es fix – die Wellen waren doch was anderes als an der Nordsee… und der Untergrund hügelig wie sonstwas, so dass man schauen musste, sich beim Laufen im Wasser nicht die Haxen zu brechen.

Nach dieser Erfrischung wurde es dringend notwendig den Körper mit Nährstoffen zu versorgen. Wir sind also an einigen Läden vorbeispaziert, die gut aussahen – beim ersten, direkt auf der Pier, hätten wir zweieinhalb Stunden warten sollen, um einen Tisch zu bekommen. Schließlich landeten wir in einem Reaggeladen mit guter Meeresfrüchte-Karte. Hier hatten wir dann die Gelegenheit Gator-Bites, also Alligatoren-Schwänze, zu snacken und ich gönnte mir dann noch den Schwanz vom Florida-Hummer.

Noch ein paar Bier und dann waren wir auch k.o. genug, um ins Bett zu fallen.

Zurück nach Orlando

Aijlke und ich waren wieder mal früh wach, haben also unseren Kram schon mal zusammen geräumt und sind zum nächsten iHop zum Frühstück gelaufen. Frischer O-Saft, French-Toast und Rührei. Und natürlich Bacon. Leckerste Sünde. Danach zurück zum Hotel, um auszuchecken und Talitha abzuholen.

Inzwischen hatte ich Juan kontaktiert, der uns dann um 11 am Hotel abholte und zurück nach Orlando brachte. So ein Tag auf Achse schlaucht, so dass wir dann abends einfach mal chillten.

Metal im Kinderparadies

Der Tag begann für Aijlke, Dave und mich im Hideaway – die Kneipe hat nämlich irgendwie nie zu. Und morgens gegen sieben kommen die Krankenschwestern von der Nachtschicht für die After-Work-Drinks – das wollten wir mit eigenen Augen sehen. Die Frühstücks-Snacks dort sind mindestens so gut wie die klassischen Bar-Snacks und Bier gibt’s halt auch 24/7. Während Dave zur Arbeit fuhr, sind wir nach ein paar Getränken nach Hause gewandert und haben den Tag über gechillt. Lesen, Musik hören usw.

Abends hatte Dave Tickets für Ministry im Hard Rock Live besorgt. Nun liegt die Venue im Eingangsbereich der Universal Studios, so dass die ganze Metal-Bande, die auf dem Weg zum Konzert war, den selben Weg nehmen musste wie die Familien auf dem Weg zu Harry Potter & Co. Es war echt skurril. Um ein klares Zeichen zu setzen, begann Ministry das Konzert mit dem Spielen der ukrainischen Hymne, bevor sie den Laden zerlegt haben. Ich hatte Ohrenstöpsel dabei, habe mich nachher aber dann doch nach draußen gestellt. Dort kam man schneller an Bier, war an der frischen Luft und vor allem war es nicht ganz so laut wie drinnen 😀

Hilton Downtown

Am nächsten Tag bin ich ins Hotel umgezogen, da ich noch etwas wegarbeiten wollte und auch etwas Zeit für mich brauchte. Das Hilton ist knapp 10 Minuten von Dave’s Apartment entfernt und hat u.a. einen Außenpool, den ich dann auch mal ausgiebig genießen musste. Leider ist die Bausubstanz dann doch etwas älter und das sieht man innen eher als außen. Aber für die restlichen Tage war es ok.

Neben der schon besuchten Ivanhoe Brewery gibt es fußläufig entfernt noch die Ten10 Brewery – nachdem ich mich durch einige 100 Mails gearbeitet hatte, habe ich mich mit den anderen dort getroffen. Leider hat uns ein plötzlicher Sturzregen in der Brauerei festgehalten. Wir konnten echt nicht weg. So ein Unglück 🙂

Raketen, Tiere und zurück nach Tampa

Am Freitag hatte Dave uns seinen Wagen überlassen, so dass wir zum Kennedy-Space-Center fahren konnten. Mein Hauptpunkt auf der Florida-Bucket-List. Dazu gibt’s einen eigenen Artikel.

Zurück in Orlando hat Dave uns dann noch coole Kneipen in Downtown Orlando gezeigt – und einen super Mexikaner, der auch nachts auf dem Rückweg noch auf hatte.

Samstag sind wir dann in den Blue Spring State Park gefahren, da sich dort im Frühjahr die Manatees (Seekühe) gerne mal aufhalten. Eine haben wir auch gesehen. Aber auch sonst war der Park recht schön.

Später sind wir dann nach Tampa gefahren, da ich ab dann dort mein Hotel gebucht hatte. Nach einem kurzen Spaziergang durch Ybor City und einem Abendessen sind die anderen dann aber zurück nach Orlando gefahren

Tampa

Mein Hotel Hilton Garden Inn liegt im Zentrum von Ybor City, der Altstadt von Tampa. In den folgenden Tagen habe ich mich in erster Linie treiben lassen: zumeist morgens am 7Eleven ein Sandwich geholt oder in einem Diner gefrühstückt; dann bis zum Mittag mit Lektüre und Musik am Pool entspannt. Im Mittag dann auch mal Siesta – dann hat’s dort auch mal gut 40 Grad. Später dann zumeist Spaziergänge durch Ybor City und hier und da ein Bierchen – zum Beispiel in der Tampa Brewing Company. Oder mit der TECO gefahren, das ist eine Gratis-Straßenbahn, die an die CableCars in San Francisco erinnert.

An einem Tag bin ich mit einem Uber zum nächsten Walmart gefahren, um nochmal das Erlebnis amerikanischer Superstores mitzumachen und mich für die Woche mit Schrott-Snacks einzudecken.

Ein besonderes Highlight war der Besuch im ältesten spanischen Restaurant Amerikas, dem Columbia. Der Salat und der Sangria wurden von meiner Kellnerin direkt am Tisch zubereitet und dann gab es „La Completa Cubana“ – quasi alles, was die kubanische Küche an deftigen Essen kann. Sehr lecker.

Was fehlt denn noch – natürlich das obligatorische Urlaubs-Souvenir: ein Tattoo mit einem kulinarischen Motiv. Ich hatte mir den Florida-Lobster-Tail ausgesucht und der Tattoo Artist hat es hart gefeiert. Ebenso seine Kollegen.

Ab nach Hause

Mein Rückflug war ja erst abends, so konnte ich morgens nochmal kurz in den Pool springen und dann meine Gepäck im Hotel lassen. Den Tag habe ich dann mit Lektüre im Lighthouse Biergarten im Channel District verbracht, bin gegen Abend mit der TECO zurück und ab zum Airport. Gepäck abgegeben und dann noch was essen. Aus Big Bang Theory kannte ich „PF Chang’s“ – und nach einem Besuch der Cheesecake Factory durfte diese Kette dann auch noch mal herhalten. Aber das Essen war gut.

PFChang’s

Airport Chaos

Der Flughafen Tampa macht eigentlich einen guten Eindruck. Mein Uber hat mich in der Auto-Vorfahrt direkt an der Tür für Eurowings Discover abgesetzt, so dass ich es bis zur Gepäckabgabe nur ein paar Meter hatte. Auch die Sicherheitskontrolle war kein Problem. Ich war durchaus zufrieden mit so viel Effizienz.

Am Gate aber totales Chaos. Wer darf wann rein? Familien vor Statuskunden und oder gleichzeitig? Und ab wann ist man eine Familie und sowieso und überhaupt… Wem gehören diese Duty-Free-Bags? Die Gate-Agents waren irgendwie dezent überfordert und einige Gäste sehr anstrengend. Aber irgendwann waren wir dann auch drin und die Heimreise antreten.

Fazit Florida

Sunshine State trifft es. Es ist eigentlich immer recht warm, Regen gibt es nur ab und zu. Die Kneipenkultur in den Städten ist ordentlich und auch zu essen gibt es mehr als genug. Politisch ist Florida dagegen schwierig, es ist quasi wie Texas mit Palmen. Und ohne Auto ist man aufgeschmissen – der öffentliche Nahverkehr ist nur innerhalb größerer Städte existent; aber von Stadt zu Stadt ist es echt schwer. So fährt von Tampa nach Orlando nur einmal täglich ein Zug. Sollte ich nochmal hin kommen, dann mit Mietwagen.

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