Moment, Interrail ist doch nur was für junge Leute. Dachte ich auch, aber tatsächlich gibt es die Tickets auch für Erwachsene, sogar für die 1. Klasse. Im letzten Jahr gab es anlässlich des 50jährigen Jubiläums des Interrail-Programms alle Tickets zum halben Preis. Da hatte ich dann zugeschlagen.

Trier und Luxemburg

Da ich das Ticket vor Mai 2023 nutzen musste, hatte ich mir grob Ende März / Anfang April als Reisezeitraum gewählt. Zuerst bin ich ganz regulär nach Trier gefahren, habe mich von dort mitnehmen lassen und dann ein Wochenende in Luxemburg bei Freunden verbracht. Unter anderem waren wir in Clerf in der Fotoausstellung „The Family of Man“, die ursprünglich für das MOMA kuriert worden war. Sehr empfehlenswert – ich habe hier einen separaten Artikel dazu verfasst. Ansonsten sind wir etwas gewandert und ich bin endlich mal auf dem Kirchberg-Plateau gewesen. Ok, da sind nur die ganzen EU-Institutionen, aber auch das gehört zu Luxemburg. Luxemburg ist immer eine Reise wert, wie man auch in meinem Artikel „Wandern: Kleine Luxemburger Schweiz“ lesen kann.

Paris nach Barcelona

Montag sollte es dann via Paris nach Barcelona gehen. Abfahrt um 10 in Luxemburg, Paris um 12, Barcelona abends gegen 19 Uhr. Soweit der Plan. Bis Paris bin ich auch problemlos gekommen, die TGV-Verbindung lief problemlos. Zuerst mit dem Regionalzug zum Gare Centrale – in Luxemburg ist der ÖPNV kostenlos – und dort am Bahnhof in der Pâtisserie Oberweis noch schnell eine Riesling-Pastet für die Fahrt eingekauft. Immer empfehlenswert. In Paris musste ich dann vom Gare de l’Est zum Gare de Lyon wechseln, wofür ich mir ein Taxi gegönnt habe. In Paris streikte mal wieder die Müllabfuhr, da lag echt einiges an Säcken auf der Straße…

Und da streiken in Frankreich Volkssport ist, fiel mein TGV nach Barcelona natürlich aus. Also ab in die Schlange an der Information. Um die Umbuchung auf den Zug am nächsten Tag hat sich der SNFC-Mitarbeiter gekümmert – auf meine Frage, wer mir denn nun ein Hotel sucht und bezahlt, hat er nur mit den Achseln gezuckt. Und nun finde mal zusammen mit einigen anderen hundert gestrandeten Reisenden ein bezahlbares Hotel in Nähe zum Bahnhof. Spoileralarm, es gibt keins. Also habe ich mich im Novotel direkt am Bahnhof eingebucht, für schlanke 200 Euro die Nacht. Besten Dank an die französische Bahn. Aber wir sind noch nicht miteinander fertig…

Am nächsten Morgen ging es dann mit dem TGV Richtung Barcelona. Das französische Hochgeschwindigkeitsnetz hat die Besonderheit, dass viele Bahnhöfe außerhalb der Städte liegen, d.h. man fährt gar nicht erst langsam in die Stadt rein wie alle anderen Züge, sondern hat nur kurze Halte außerhalb und kann danach direkt wieder Gas geben. Daher sieht man draußen auch eher Landschaft als Bebauung. Der TGV war zwar ein älteres Modell, hat aber seinen Dienst verrichtet.

Die Nord-Süd-Strecke führt zuerst Richtung Lyon. Von dort dann weiter zur Küste und dort entlang, an den Pyrenäen vorbei bis nach Barcelona.

Barcelona

Nach knapp sieben Stunden rollten wir in Barcelona ein. Die Ankunft erfolgte allerdings im Tunnel; die Gleisanlagen des Hauptbahnhofs von Barcelona „Barcelona Sants“ sind in den 60ern nämlich komplett in den Untergrund verlegt worden. Daher ist das Bahnhofsgebäude äußerlich auch nicht wirklich als solches erkennbar.

Durch den Streik in Frankreich war mir natürlich direkt ein Tag in Barcelona entgangen. Mein Hostelzimmer war bereits ab Montag gebucht, ich kam aber erst Dienstag abends an, ein kurzer Mailwechsel mit dem Hostel und alles war geklärt.

HelloBCN Hostel Barcelona

Das Hostel liegt in einer relativ ruhigen Seitenstraße, nur knapp 5 Minuten von der U-Bahn-Station Paral|el entfernt. Für einen echt schmalen Taler habe ich hier ein Doppelzimmer zur Einzelnutzung gebucht. Zugang zum Hostel und zum Zimmer bekommt man über einen Token, den man am Handgelenk trägt – prima Konzept, so verliert man keinen Schlüssel. Das Hostel ist sauber und recht international besucht. Abends kann man für 2 Euro ein Bier an der „Bar“ bekommen, auch mehr als fair. Das Frühstück ist übersichtlich, aber ich brauche ja eh nicht viel.

BCN Ink

Nach dem Checkin im Hostel bin ich direkt zum Tattooshop gegangen, den ich mir im Vorfeld schon ausgeguckt hatte. Eigentlich wollte ich nur einen Termin ausmachen, aber da sie direkt Zeit hatten, konnte ich mich auch direkt hacken lassen. Der Besitzer ist ein Schwede, der seit Jahren in Barcelona lebt – er ist allerdings eher der Kaufmann, während seine Freundin aus Kolumbien und ihre Kolleginnen die Tattoo Artists sind. Da ich mir immer eine landesspezifische kulinarische Spezialität tätowieren lasse, gab es in diesem Fall eine Paella. Sehr schnell, sehr fein, sehr gut.

Zu zweit durch die Stadt

Zurück im Hostel holte ich mir ein Bier an der „Bar“ und setzte mich an einen Tisch, um meine nächsten Touristen-Tage zu planen. Da setzte sich ein anderer Gast zu mir, zudem noch ein Namensvetter. Er kam gerade aus Valencia, hatte noch den morgigen Tag in Barcelona geplant und hatte auch noch keine konkreten Pläne. Also sind wir am nächsten Tag zu zweit los gezogen.

Den Anfang machten wir mit einer U-Bahn-Fahrt zur Sagrada Familia. Mein letzter Barcelona-Besuch war 2006 beim Spiel Espanyol Barcelona gegen Schalke – seitdem hatte sich auf der Baustelle doch einiges getan, aber fertig ist Gaudis Kathedrale immer noch nicht. Da das Wetter zu gut war, um sich erst in einer langen Schlange anzustellen und dann in der Kirche zu verbringen haben wir beschlossen, zum Parc Guell zu spazieren. Und zwischendurch immer mal einzukehren. Ein sowohl brillanter als auch verwegener Plan. Als wir einige Stunden später am Park ankamen, wurden keine Besucher mehr eingelassen. Tja, Pech gehabt. Aber zurück gab es auch noch weitere Einkehrmöglichkeiten. Alles in allem ein lustiger Tag; wir hatten diverse Biere und sind einige Kilometer durch Barcelona spaziert. Abends landeten wir dann erst noch in einer Kneipe in der Nähe unseres Hostels, die mir ein Sailor der Turbojugend Barcelona empfohlen hatte – dem PSYCHO Rock’n Roll Club; und später noch in einer mehr als zweifelhaften Disco in der Nähe.

Donnerstag. Der Kollege vom Vortag hatte es tatsächlich geschafft früh morgens zum Flughafen zu kommen, während ich ausschlafen konnte. Zuerst bin ich dann mal zum Bahnhof gefahren, um mir für die nächsten Züge die Plätze zu reservieren; das geht bei der staatlichen Bahngesellschaft RENFE nämlich nur via APP oder am Schalter. Danach bin ich wieder einfach so durch die Stadt geschlendert und schließlich mit der Seilbahn noch kurz auf den Montjuïc gefahren. Von der Seilbahn aus hat man eine super Fernsicht. Noch eine Nacht im Hostel und dann ging es weiter nach Zaragoza.

RENFE

Also auch die erste Fahrt mit der RENFE. Das spanische Hochgeschwindigkeitsnetz ist erst zur EXPO in Sevilla 1992 aufgebaut worden und daher verhältnismäßig neu. Aber eins nach dem anderen. Wie schon gesagt liegen alle Bahnsteige in Barcelona-Sants unter der Erde. Das führt u.a. dazu, dass die Fahrscheine oben kontrolliert werden und man nur mit gültigem Ticket auf die Rolltreppe ins Kellergeschoss gelangt. Dort unten stand dann eine Mitarbeiterin, die mich nach meiner Wagennummer gefragt hat, um mich dann direkt in den passenden Sektor des Bahnsteigs zu schicken.

Der Zug kam pünktlich eingefahren, alles einstigen. Wie beim TGV gibt es auch hier große Gepäckbereiche am Ende eines jeden Waggons. In der ersten Klasse alles vom Feinsten. Bequeme Ledersitze, Strom an jedem Platz. 3 Minuten vor Abfahrt wurden die Türen geschlossen. So wird sichergestellt, dass der Zug auch wirklich pünktlich starten kann. Für Leute, die immer auf den letzten Drücker kommen wahrscheinlich die Hölle…

Kaum waren wir gestartet, kam auch schon eine Zugbegleiterin mit einem Service-Wagen durch den Gang gerollt. Aber zu früh gefreut. Das recht gut aussehende Essen muss man vorbestellen. Eine andere Besonderheit: es lief ein Bordfilm. Auf den Overhead-Displays im Gang wirkt TopGun aber irgendwie nicht so 🙂

Zaragoza

Also ging’s weiter nach Zaragoza, um dort endlich mal Freunde zu besuchen. Da das Hochgeschwindigkeitsnetz ja erst spät eingerichtet worden ist, liegt auch der Bahnhof von Zaragoza eher etwas außerhalb. Das ist aber gut so, denn so wird die grandiose Innenstadt durch nix gestört. Vom Bahnhof ging es zuerst zum Hotel, dann auf einen ersten Sightseeing-Spaziergang durch die Stadt. Das Hotel lag direkt an der riesigen Plaza del Pilar; dieser an sich schon imposante Platz wird dominiert von der Basilika del Pilar, dem größten barocken Bauwerk Spaniens, das zu Ehren der Jungfrau Maria erbaut wurde, die hier auf einem Pfeiler (Pilar) erschienen sein soll. Danach ging’s in den Vorort, wo meine Freunde wohnen; Bierchen trinken und sehr viel quatschen. Und Kinder bespaßen :-). Abends dann zurück nach Zaragoza, um die Stadt mal im Dunkeln zu erleben.

Einigermaßen platt habe ich mich für meine Verhältnisse recht früh ins Bett fallen lassen – und war dementsprechend früh wach am nächsten Morgen. Also langsam mal fertig gemacht und kurz nach neun stand ich vor dem Hotel. Eine Geisterstadt. Außer mir waren kaum Leute auf der Straße, das war schon ein wenig seltsam. Die Stadtreinigung war aber aktiv – und wie. Waren am Vorabend noch die Bars sehr frequentiert und einiger Müll lag auf der Straße, war am nächsten Morgen nichts mehr davon zu sehen. Meine Güte, ist diese Stadt sauber. Gegen Mittag wurde ich wieder eingesammelt und nach ein paar Tapas ging es wieder in den Vorort zu einer Original spanischen Paella. José, die war großartig 🙂

Abends sind wir dann wieder etwas durch Zaragoza spaziert und haben noch hier und da ein paar Tapas genossen. Am Sonntagmorgen hatte ich mir dann ein Café in der Nähe meines Hotels gesucht, um dort zu frühstücken. Im „Elio and Coco Speciality Coffee“ gibt es hervorragende Eggs Benedict. Am Nachmittag stand noch ein Spaziergang um die Burg, korrekt den „Palacio de la Aljafería“ an. Zum Abend lieferte ich mir dann noch einen dramatischen Kartenspiel-Krimi mit den Kids.

Teruel

Am nächsten Morgen wurde ich mit nach Teruel genommen. Der Ort ist vor allem bekannt für seinen „Abstellplatz“ für aktuell nicht benötigte Flugzeuge, ist aber sonst auch sehr sehenswert. Auch hier gab’s erstmal ein paar Tapas, bevor ich mich in den Bus nach Valencia gesetzt habe. Hierzu sei erwähnt, dass in Spanien wieder die Waldbrand-„Saison“ angefangen hatte und unsere Route durch ein entsprechendes Gebiet führte. Auf Distanz war die Rauchsäule sehr klar zu sehen. Ansonsten war die Busfahrt recht unspektakulär – das WLAN aber so gut, dass ein Teams-Call kein Problem war.

Valencia

Der zentrale Busbahnhof von Valencia liegt im Norden der Innenstadt; da es keine direkte ÖPNV-Verbindung zu meinem Hotel in Strandnähe gab, habe ich mich direkt ins Taxi gesetzt und bin ins Resa Patacona gefahren. Dieses Hotel scheint eine Mischung aus Hotel und Studentenwohnheim zu sein, wohl auch bedingt durch die fussläufige Nähe zur Uni. Die Zimmer sind einfach, aber funktional. Auf den Etagen gibt es Snackautomaten und es gibt einen großen Gemeinschaftsbereich.

Nach kurzem Checkin und der Enttäuschung, dass der Hotel-Pool noch geschlossen hat, habe ich zuerst mal die Aussicht von der Dachterrasse genossen bevor ich dann die fünf Minuten zum Strand Playa de la Patacona rüber gelaufen bin. In einem der zahlreichen Restaurants dort habe ich mir was zum Abendessen bestellt, bevor ich zurück ins Hotel bin, um den Sonnenuntergang von der Dachterrasse aus zu betrachten.

Der nächste Tag gehörte der Innenstadt von Valencia. Nachdem der Turia die Stadt zigmal überschwemmt hatte, hat man den Fluss Ende der 50er Jahre aus der Stadt heraus verlegt und aus dem ehemaligen Flussbett einen Park gemacht, der sich nun wie ein grünes Band durch die gesamte Stadt zieht.

Über die Torres de Serranos betrat ich die Altstadt mit dem Stadtteil La Seu und suchte mir zuerst die nächste Gelegenheit für mein Lieblingsfrühstück: Eggs Benedict. An einem Restaurant an der Placa de la Reina wurde ich auch fündig. Danach schlenderte ich weiter zum Stadtteil Sant Francesc, wo u.a. der Markt „Mercat de Colon“, die Stierkampfarena sowie der Hauptbahnhof von Valencia angesiedelt sind. Eher zufällig kam ich an einem Barbershop vorbei und nutzte die Gelegenheit, das Gestrüpp im Gesicht mal wieder in Form bringen zu lassen. Danach bin ich konsequent dem Stadtpark bis zum Ende am Delfinarium gefolgt, bevor ich mich auf den Rückweg zum Hotel gemacht habe.

An den nächsten beiden Tagen habe ich etwas remote Work betrieben, bin am Strand entlang spaziert und einmal sogar ins Meer gesprungen. Und natürlich gab es auch eine original valencianische Paella.

Am 31. März schließlich verabschiedete ich mich von Valencia, um nach Barcelona zurückzufahren. Der Hauptbahnhof von Valencia „Estación del Norte“ befindet sich – anders als der Name andeutet – im Süden der Innenstadt und ist ein klassischer Kopfbahnhof, der seit seinem Bau Anfang des letzten Jahrhunderts auch wohl nicht groß verändert worden ist. Viel schnörkeliges Gusseisen und Holz – eigentlich ganz schön. Nach knapp dreieinhalb Stunden an der Küste entlang war ich wieder in Barcelona.

Barcelona zum Zweiten

Auf dem Rückweg hatte ich Barcelona nur für eine Übernachtung eingeplant. Ankommend freitags am frühen Abend und Samstag dann weiter mit dem TGV; zuerst nach Montpellier und dann weiter nach Lyon. Nach einer Übernachtung dort sollte es dann weiter in die Schweiz gehen. Aber Moment – TGV… war da nicht was bei der Hinreise. Also zuerst mal das Internet befragt, was meine Verbindung am nächsten Tag angeht. „Kein Problem“, meint die App – „Verbindung fällt aus“, so die Website der SNCF. Na toll. Immerhin sind die Franzosen konsequent in ihrer Inkonsequenz.

Also bin ich erstmal zum Bahnhof Barcelona-Sants gegangen, um mich zu erkundigen, ob mein Zug am nächsten Tag fährt. Hier zeigte sich dann die sehr gute Nachbarschaft zwischen Frankreich und Spanien. Nachdem ich gut eine halbe Stunde an der Information gewartet habe bis ich dran war, informierte mich die RENFE-Mitarbeiterin darüber, dass der TGV ja ein französischer Zug ist und ich mich bei denen erkundigen solle, ob er fährt. Mein Einwand, dass aufgrund des noch immer laufenden Streiks bei denen keine Anfragen beantwortet werden war ihr dann recht egal – „die Franzosen sind nicht bereit bei uns ein Info-Terminal zu bezahlen, also übernehmen wir auch keine Auskünfte für die“. Konsequent, aber für Reisende echt Mist. Und auch mein Argument, als Betreiber des Bahnhofs sollten sie doch in der Lage sein zu wissen, ob ein Zug innerhalb der nächsten 12 Stunden abfahren würde, wurde mit Verweis auf die Nicht-Auskunft abgewiegelt.

Das war das zweite Mal, wo mir die streikenden Gallier die Reise vermiest haben. Nun hatte ich aber auch die Schnauze voll und 20 Minuten später hatte ich einen One-Way-Flug Barcelona-Zürich gebucht. Also am nächsten Morgen früh mit dem Taxi zum Flughafen, einchecken und dann ein schnelles Frühstück in der ganz passablen Lounge. Klar, dass der Flug aufgrund des Streiks der französischen Fluglotsen erst später starten konnte – aber immerhin gab es ein Upgrade in die Business Class…

Weiter geht’s mit Teil II

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