Agrigento Concordia

Touri-Tour nach Agrigento

Ok, ein wenig Kultur wollte ich auch machen. Schließlich sind hier vor 2000 Jahren schon Griechen und Römer über die Insel getanzt. Also buchte ich eine Bus-Tour quer durch die Insel nach Agrigento und zur Villa Casale.

Aufgrund der Strecke ging es früh los. Um 6:30 Uhr kam der noch leere Bus zum Sammelpunkt, glücklicherweise nur 5 Minuten vom Hotel entfernt. Dann ging es zuerst nach Taormina und Mazzarò, um den Bus mit insgesamt 35 Leuten zu füllen. Dann auf die Autobahn, an Catania vorbei Richtung Enna in Zentralsizilien.

Der Reiseleiter sprach ohne Punkt und Komma auf Deutsch und Englisch- oder manchmal auch, was er für diese Sprachen hielt.

Interessante Fakten:

  • es ist Stau, weil sehr viele Autos unterwegs sind
  • auf Orangenplantagen stehen Ventilatoren, für den Fall, dass der Scirocco zu viel Hitze bringt
  • Eukalyptus wurde schon früh eingeführt, da dieser sehr gut Schadstoffe aus dem Boden filtert
  • nur 5% der 5 Millionen Sizilianer haben mit der Cosa Nostra zu tun; der Reiseführer wollte wohl klarstellen, dass er kein Mafioso ist

Da ein Teilstück der Autobahn gesperrt war, wurden wir über Nebenstraßen durch Caltanisetta geführt; in dem dortigen Justizpalast prozessierten u.a. Borsellino und Falcone, bevor die Mafia sich um sie „gekümmert“ hat.

Das antike Agrigento: Tal der Tempel

Gegen 11 kamen wir endlich an der Archäologischen Stätte von Agrigento an. Das Tal der Tempel liegt unterhalb der Stadt (daher „Tal“) und ist eine schöne Parkanlage mit durchaus beeindruckenden Zeugnissen der Vergangenheit. Insbesondere der fast vollständig erhaltene Concordia-Tempel ist eindrucksvoll. Das neue Agrigento liegt wenige Kilometer entfernt am Berghang und bietet durch diverse hässliche Plattenbauten einen starken Kontrast.

Hier konnten wir als Gruppe zusammen mit dem Guide oder auch alleine umher schlendern. Ein Verirren war so gut wie nicht möglich, da alle Tempel an einer zentralen Straße lagen, die man nur entlang gehen brauchte.

Schwertfisch-Carpaccio

Wie es sich für eine ordentliche Touri-Tour gehört, hielt der Bus zum Mittag direkt vor dem vom Guide ‚empfohlenen‘ Ristorante. Ok, bevor ich mir jetzt in der kurzen Pause was anderes suche, geht’s halt ins ‚Al Porticciolo‘. Direkt an der Küste gelegen besteht die Hälfte der Karte aus Meeresfrüchten und Fisch. Als Antipasti also mal Schwertfisch-Carpaccio bestellt; als Hauptgang eine echte Carbonara. Was soll ich sagen – der Schwertfisch war köstlich und die Carbonara so, wie sie sein sollte: Eigelb, Speck, Pfeffer. Keine Sahne.

Villa Romana del Casale

Nachdem sich alle gestärkt hatten, ging es mit dem Bus in Richtung Piazza Armerina, bzw. zur kurz davor liegenden Villa Romana del Casale, seit 1997 UNESCO Weltkulturerbe. Diese spätrömische Villa ist sogar für die berühmte römische Dekadenz dekadent. Hier hat sich echt jemand mal was gegönnt. Das muss damals ein echtes Traumhaus gewesen sein, mit Eingangsbereich, einer Art Thronsaal und Thermen. Dazu kommt, dass die Villa Romana del Casale über fast 3.500 m2 Fußbodenmosaike verfügt – mehr als sonst wo im bekannten römischen Reich. Wie lange die Arbeiten allein an den Mosaiken gedauert hat, möchte ich mir gar nicht vorstellen. Nur zum Vergleich: ein Mosaikstein hat etwa die Größe eines 1×1 Lego-Steins – und damit lege mal Bilder zuhause in den kompletten Flur…

Nach der Besichtigung konnten wir endlich die Heimreise antreten. Nach gut 13 Stunden und knapp 500km in Sizilien war ich wieder in Giardini-Naxos.

Fazit

So eine Touri-Tour hat ihre Vor- und Nachteile. Zum einen braucht man sich um nix kümmern, man muss nur fleißig bezahlen. Zur Tour kommen immer noch die Eintrittspreise, was beim Verkauf der Tour gerne „vergessen“ wird. Die Flexibilität ist natürlich dahin. Und man muss mit Menschen zusammen reisen, auf die man eigentlich gerne verzichten würde. Meine drei Highlights des Tages:

  • Amerikanerin, die an der einzigen Raststätte auf dem Hinweg die ganze Schlange aufhält, weil sie ein Grundsatzgespräch mit dem Barrista führen will, warum sie keine Sojamilch bekommt.
  • die selbe Dame erklärt dem Kellner beim Mittag ausführlich, dass sie Vegetarierin ist und sehr auf ihre Ernährung und die Zutaten achtet.. Während er geflissentlich „no problemo“ murmelt, sagt sein Gesicht recht klar „dann verpiss Dich doch!“
  • eine deutsche Touristin, die den Concordia-Tempel von der Seite fotografieren will und sich dann ausführlich darüber aufregt, dass dort ein Mann zwischen den Säulen hockt; der würde ihr ja das ganze Bild kaputt machen. Eine kurze Frage hätte sicherlich gereicht, aber wenn der Restaurator da nicht arbeiten kann, sind Bilder irgendwann das einzige, was übrig bleibt.

Andererseits hätte ich auch wenig Lust gehabt, die 500 km an einem Tag selbst zu fahren. Insofern war es ok, aber man sollte vorher wissen, auf was man sich einlässt. Und Kopfhörer mit Musik helfen, die Umgebung auch mal abzuschalten.

Nach so vielen sehr alten Kulturschätzen bleibt wieder mal die Frage: „Und was hinterlassen wir?“ Plastikmüll und einen unfertigen Flughafen in Berlin… Gern geschehen, liebe Zukunft.

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