Plattbodenschiffe beim Regattasegeln auf dem Wattenmeer

Segeltour auf IJsselmeer und Wattenmeer

Takelage
Takelage

„Leinen los“ hieß es mal wieder. Nach langer Abstinenz konnte ich endlich mal wieder mit auf eine Tour mit einem Plattbodenschiff. Von Gaastmeer ins IJsselmeer und dann mal weiter schauen, je nach Wind- und Wetterlage. Wobei wir uns wünschten, das Wattenmeer nach Vlieland und Terschelling zu überqueren.

Zuerst hatte ich so meine Bedenken, war ich schließlich beim letzten Mal einen halben Tag übelst seekrank gewesen. Und das ist echt kein Spaß. Und bevor ein falscher Eindruck entsteht. Ich kann nicht segeln. Aber ich kann an Stricken ziehen, wenn der Skipper das sagt. Oder selbige wieder los machen. Als Deckhand reicht das.

 

Gaastmeer bis Warns

Auslaufen aus Gaastmeer
Auslaufen aus Gaastmeer

Sonntagnachmittag in Gaastmeer, knapp 20 km südwestlich von Sneek in der Provinz Friesland. Bestes Wetter zur Übernahme und Beladung der „Syl“, einer 17,5-Meter-Tjalk mit Platz bis zu 14 Personen. Mit den 8 Erwachsenen und 5 Kindern passte es so ganz gut. Aber auch ein ganzes Stück Arbeit, Gepäck und Vorräte für fünf Tage an Bord zu bringen und zu verstauen. Nach der obligatorischen Sicherheitseinweisung konnte es dann auch endlich losgehen. Leinen los und ab in den Kanal. Zu Anfang unter Motor, aber bei Erreichen des Sees Fluessen konnten auch zum ersten Mal die Segel gehisst werden. Also angepackt und rauf mit Vor- und Großsegel.

Sonnenuntergang über dem Fluessen (See)
Sonnenuntergang über dem Fluessen (See)

Da wir doch schon spät dran waren – die Beladung dauerte halt etwas länger als gedacht – war die Brücke in Warns leider schon geschlossen. Es war schließlich schon fast 23 Uhr. Daher hatten wir gezwungenermaßen dort unser erstes Nachtlager an Bord.

Von Stavoren nach Makkum

Früh am nächsten Tag sollte es dann weitergehen, damit wir zeitig durch die Johan-Friso-Schleuse in Stavoren kommen. Da der Pfingstmontag aber auch in den Niederlanden ein Feiertag ist, machte die Brücke in Warns leider erst um 9:00 Uhr auf – und nicht schon wie werktäglich um sieben. Aber so konnte ich zum erstem mal mein Solar-Ladegerät nutzen, da die Sonne perfekt von Achtern aufging.

Morgenstimmung in Warns
Morgenstimmung in Warns

Stavoren

In Stavoren ging es dann zuerst in die Schleuse, um uns auf IJsselmeer-Niveau zu schleusen. Im Hafenbereich haben wir dann angelegt, um an Land noch ein paar Vorräte wie Brot, Fleisch und Gemüse zu besorgen. Zum Supermarkt ging es allerdings einmal durch die Stadt… also nix mit „lekker dichtbij“. Nachdem wir auch diese Vorräte sicher an Bord gebracht hatten, konnte es endlich auf’s IJsselmeer hinaus gehen.

Das IJsselmeer

Trotz seiner geringen Tiefe von gerade mal 2-5 Metern ist dieser riesige Binnensee auf keinen Fall zu unterschätzen. Gerade durch diese geringe Tiefe wirft der Grund entstehende Wellen auch gerne mal zurück, so dass diese an der Oberfläche durchaus sehenswerte Dünung bilden können. So fuhren wir in einiger Entfernung an einem Havaristen mit gebrochenem Mast vorbei. Passiert schon mal – es waren aber bereits zwei Boote auf direktem Weg dorthin, daher konnten wir unseren Kurs weiter halten.

Da der Wind passend stand und die Wettervorhersage für die nächsten Tage ebenfalls positiv war, hatten wir uns für die Nordroute und den Weg ins Wattenmeer entschlossen. Also wieder rauf mit den Segeln und ab gen Norden bis nach Makkum, kurz vor dem Abschlussdeich (Afsluitdijk).

Makkum

Die Marina von Makkum liegt etwas landeinwärts, also mussten wir auch hier einen kurzen Kanal entlang und konnten dann auch entspannt von Bord gehen. Auch hier war es ein weiter Weg zum Supermarkt, aber der Grolsch-Vorrat drohte zur Neige zu gehen. Auf dem Rückweg zum Schiff musste unser Bevorratungs-Team kurz Halt auf dem Deich machen, um die Aussicht zu genießen. Dank einer Umladung der Flüssigkeiten (von der Flasche in den Hals) waren die Kästen auf dem weiteren Weg auch etwas leichter. Später ging es dann mit der ganzen Crew noch kurz in den Ort.

Von Makkum durch den Abschlussdeich nach Vlieland

Morgendliches Auslaufen aus Makkum
Morgendliches Auslaufen aus Makkum

Bereits um 5:00 Uhr haben wir am nächsten Morgen abgelegt, um die Gezeiten im Wattenmeer abzupassen. Also wieder durch den Kanal zurück auf’s IJsselmeer und danach Richtung der künstlichen, ehemaligen Arbeitsinsel Kornwerderzand. Hier kommt zuerst die Schleuse, die IJsselmeer und Wattenmeer verbindet und danach noch eine Autobahn-Drehbrücke. Ja, so sind sie die Niederländer. Hier wird auch mal eine Autobahn kurzfristig gesperrt, damit die Fahrbahn zur Seite schwenken und der Schifffahrt Platz machen kann. Und schon waren wir im Wattenmeer.

Auf dem Wattenmeer

Von nun an war die Navigation noch wichtiger als bei den recht gerade angelegten Routen im IJsselmeer, die Prile und damit Fahrrinnen im Wattenmeer laufen schließlich eher im Zick-Zack. Nach knapp einer Stunde Wattenmeer war es aber schon vorbei. Ein Trockenfallen auf dem Weg nach Vlieland war zwar eingeplant, wir wollten aber trotzdem vorher so weit wie möglich kommen. Trockenfallen ist nichts wildes, sofern man ein Plattbodenschiff hat. Die Ebbe zieht nach und nach das Wasser weg und das Schiff senkt sich auf den Grund, bis das Wasser komplett weg ist und man im Schlick steckt. So kann man gefahrlos ins Watt steigen – gerade für Kinder eine tolle Matscherei.

Nach einigen Stunden kam das Wasser zurück. Also alle Mann zurück an Bord und raus mit dem Anker, damit wir nicht direkt auf eine Sandbank getrieben werden. Als endlich auch das Ruder wieder frei war und wir wieder auf Kurs gehen konnten, wurde der Anker eingeholt und wir machten uns auf den Weg zum Hafen von Oost-Vlieland. Dazu ging es zuerst Richtung Nordsee, zwischen Vlieland und Terschelling durch und dann kurz hinter der Sandback Richel hart backbord Richtung Westen. Kurz vor Vlieland nimmt dann der Verkehr auf dem Wasser auch zu; neben vielen privaten Booten kreuzen hier auch die Fähren.

Vlieland

Die Marina von Vlieland ist wohl recht neu, die Stege sind alle im Top-Zustand. Leider lag unser Anlegeplatz ein gutes Stück vom Toiletgebouw entfernt, so dass man gut 30 Minuten für den Hin-und Rückweg einrechnen musste. Der Ort Oost-Vlieland ist recht übersichtlich und von der Marina in gut 10 Minuten zu Fuß erreichbar. Dort befindet sich auch der Anleger der Fähren aus Harlingen. Ja, es gibt mehrere Fähren – eine reguläre und eine Expressfähre. Beide laufen ebenfalls Terschelling an.

Gegen Abend dann noch einmal etwas Aufregung – das Seenotrettungsboot der KNMR “Graaf van Bylandt“ sowie das vollbesetzte Festrumpfschlauchboot “Huibert Dijkstra“ liefen alarmmäßig aus. Zuerst dachten wir an eine Übung, aber gut eine Stunde später kehrten sie mit einem Zweimaster im Schlepp zurück.

Vlieland nach Terschelling

Um entsprechend hohes Wasser zu haben, sind wir erst am nächsten Mittag ausgelaufen. Die Strecke, die wir vor uns hatten, war überschaubar, aber dafür recht sportlich. Es sollte eigentlich nur rüber nach Terschelling gehen. Im Grunde genommen eine Strecke von gerade mal zwei bis drei Stunden.

Wasser überall… #sailing #nordzee #fryslân #vlieland #terschelling #waddenzee

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Zuerst gingen wir auf Ost- dann auf Nordkurs, entgegen unserer Anfahrtsroute vom Vortag. Dann ging es noch ein Stück weiter raus Richtung Nordsee, bevor wir dann nach Osten das Seegatt zwischen Vlieland und Terschelling kreuzten. Diese Strömungsrinne zwischen Wattenmeer und Nordsee zeichnet sich durch sehr starke Strömungen aus, daher hieß es auch für die Erwachsenen an Bord „Schwimmwesten an“ – das Ganze, kombiniert mit Windstärke 6, schaukelte unsere Tjalk um alle drei Achsen. Hier konnte man gut seekrank werden. Zum Glück hatte ich alle Hände voll zu tun, so hatte ich gar keine Zeit dafür. Nach gut eineinhalb Stunden kamen wir in ruhigeres Fahrwasser und konnten den Kurs nach Terschelling fortsetzen.

Terschelling

Marina Terschelling
Marina Terschelling

Zuerst mussten wir mal schauen, wo wir anlegen konnten. Der Hafenmeister teilte uns mit, dass am nächsten Tag eine Regatta ankommen würde und wir daher auf jeden Fall bis zum Mittag des Folgetages den Liegeplatz wieder frei machen müssten. Kein Problem, so lange wollten wir eh nicht bleiben.

Abends stand dann Landgang für die ganze Crew an – einmal feudal Essen gehen.

Terschelling nach Makkum

Am nächsten Morgen war ich früh wach und nutzte die Gelegenheit, mal ein wenig mit der Drohne am Hafen zu fliegen. Frühmorgens sind kaum Leute unterwegs, das dürfte also niemanden gestört haben. Nach einer kurzen Shoppingtour in West-Terschelling machten wir uns gegen Mittag wieder auf den Weg zurück zum IJsselmeer.

Plattbodenschiffe beim Regattasegeln auf dem Wattenmeer
Plattbodenschiffe beim Regattasegeln auf dem Wattenmeer

Zuerst auf Zickzack-Südkurs durch die Fahrrinne im Wattenmeer bis kurz vor Harlingen (dem Fährhafen nach Terschelling und Vlieland). Auf dem Weg kamen uns die Regattasegler entgegen; hier konnten wir mal sehen, wie sportlich man so ein Plattbodenschiff segeln kann. Von Harlingen aus an der Küste entlang nach Westen bis nach Kornwerderzand; von dort wieder zurück ins IJsselmeer. Da wir uns bereits dem Ende der Reise näherten, mussten wir entscheiden, ob wir noch einmal in Makkum anlegen oder aber bis Warkum durchfahren. Die Entscheidung pro Makkum erfolgte schnell. Wir hatten so mehr vom letzten Abend und konnten am nächsten Tag noch etwas segeln, bevor es in die Kanäle ging.

Makkum via Warkum zurück nach Gastmeer

Am letzen Morgen mussten wir ebenfalls wieder früh ablegen. Dann fix raus auf’s IJsselmeer und rauf mit den Segeln. Weiter nach Süden, der Küste entlang und dann ging es auch schon Richtung Osten unter Motor in den Kanal nach Warkum. Die Strecke ist wunderschön, führt sie schließlich direkt durch den Ort. Zudem liegen an beiden Seiten des Kanals Schiffe, so dass es manches Mal recht eng werden kann. Der Kanal führt dann an Gaastmeer vorbei in den See Fluessen, den wir bereits kurz nach dem Start durchfahren hatten.

"Klar Schiff" machen
„Klar Schiff“ machen

Dort liegt eine kleine Insel, an der wir dann gegen Mittag festmachten. Hier wurde Klar Schiff gemacht; insbesondere das Großsegel ordentlich festgemacht und schon mal unter die Persenning gebracht. Das Vorsegel wollten wir noch kurz nutzen. Ansonsten konnten alle ihr Gepäck schon mal zusammenpacken, die ersten Kisten mit der Ausrüstung einräumen und die Kinder konnten das restliche Brot in sicherer Entfernung vom Boot an die Möwen verfüttern.

Dann ging es mit Vorsegel und etwas Motorunterstützung zurück nach Gaastmeer. Dort musste das Boot zuerst entladen und danach noch grundgereinigt werden. Knapp vier Stunden später war ich zurück in Duisburg.

Fazit

Die Tjalk "Syl" im Hafen von Gaastmeer
Die Tjalk „Syl“ im Hafen von Gaastmeer

Ich bin ja normalerweise kein Wassersportler. Und der halbe Tag Seekrankheit bei der letzten Tour steckt mir gedanklich immer noch in den Knochen. Aber nun war es die dritte Tour für mich und daher weiß ich schon, was ich wann wie wo machen muss.

So hatte ich immer genug zu tun und auch wenn ich körperlich nachher etwas k.o. war, konnte ich meinen Kopf doch perfekt frei machen. Dazu dann noch eine gut gelaunte Crew und Sahnewetter – eine echt feine Woche. Gerne wieder.

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